Bayerischer Denkmalpflegepreis 2026: Gold für das Internationale Mahnmal der KZ-Gedenkstätte Dachau
Die Bronzeplastik des Internationalen Mahnmals in der KZ-Gedenkstätte Dachau ist mit dem Bayerischen Denkmalpflegepreis 2026 in Gold der Kategorie „Öffentliche Bauwerke“ ausgezeichnet worden. Maßgeblich getragen wurde die aufwendige Instandsetzung des Denkmals vom verantwortlichen Ingenieurbüro Kayser + Böttges Ingenieure und Architekten GmbH (München) sowie der Haber & Brandner GmbH (Regensburg) in enger Zusammenarbeit mit dem Staatlichen Bauamt Freising.
Am 17. September 2026 verliehen Prof. Dr. Norbert Gebbeken, Präsident der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau, und Dr. Florian Herrmann, Leiter der Bayerischen Staatskanzlei, den Bayerischen Denkmalpflegepreis 2026. Die Auszeichnung wird von der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau gemeinsam mit dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege vergeben. Insgesamt wurden 59 Bauwerke aus ganz Bayern eingereicht.
Ein Schlüsselfaktor für den Erfolg dieses anspruchsvollen Projekts war die hervorragende Zusammenarbeit aller Beteiligten: Das großartige Teamwork aller beteiligten Fachleute und Institutionen ermöglichten diese beispielgebende Restaurierung.
Ausgangslage und Schadenserfassung
Die Bronzeplastik des jugoslawischen Künstlers Nandor Glid besteht aus einem 16,3 Meter langen und 3 Meter breiten Gitterwerk. Dieses ist an zwei 6,5 Meter hohen Pfosten angebracht, die aus betoneingespannten und bronzeummantelten Stahlträgern bestehen. Im Jahr 2019 wurden im Rahmen einer Verkehrssicherheitsüberwachung (RÜV) Rissschäden festgestellt, die die Standsicherheit gefährdeten. Das Staatliche Bauamt Freising veranlasste daraufhin eine Notsicherung, eine Bestands- und Schadenserfassung sowie eine statische Beurteilung.
Sanierungskonzept und Umsetzung
Auf Basis eines Laserscans wurde ein 3D-Flächenmodell erstellt und eine Nachrechnung mittels der Finite-Elemente-Methode (FEM) durchgeführt. Dies ermöglichte eine präzise Lokalisierung von Spannungsspitzen. In Kombination mit einer Risskartierung wurden die Schäden bewertet und drei Kategorien zugeteilt:
- Kategorie 1 (höchste Standsicherheitsrelevanz): Einbau von unsichtbaren, additiven Verstärkungselementen im Inneren der Hohlgussteile. Nach einer parametrischen Kollisionsprüfung am digitalen Modell wurde die Einbaubarkeit vor Ort mittels Holzmodellen abgestimmt.
- Kategorie 2 (geringere Relevanz): Sicherung durch flächengleich eingefräste Bronzeklammern.
- Kategorie 3 (nicht standsicherheitsgefährdend): Wiederherstellung durch Verschweißen.
Bei den Maßnahmen wurden Materialverträglichkeit, Vermeidung von Kontaktkorrosion, Temperaturdehnungsverhalten und die Schweißbarkeit berücksichtigt. Einbringöffnungen und Reparaturstellen wurden restauratorisch verschlossen und an die bestehende Oberfläche angeglichen.
Begründung der Jury
Die Jury hob hervor, dass der Instandsetzung eine umfangreiche Analyse, Kategorisierung der Risse sowie eine Modellbildung zur Betrachtung der Lastwege vorausgingen. Neben Berechnungen und Prüfungen zur Materialverträglichkeit wurde positiv bewertet, dass additive Elemente später nicht sichtbar sind. Durch diese sensible Herangehensweise konnte das Denkmal erfolgreich gesichert werden.
Projektbeteiligte:
- Bauherrin: KZ-Gedenkstätte Dachau
- Verantwortliches Ingenieurbüro: Kayser + Böttges Ingenieure und Architekten GmbH, München
- Beteiligte Institutionen & Büro: Staatliches Bauamt Freising, Haber & Brandner GmbH (Regensburg), Materialprüfanstalt (MPA) der Universität Stuttgart
- Gebietsreferent: Dr. Thomas Hermann
